Musik

Bemerkungen zur Musik

Neben modernen Kompositionen, im Geiste des Barock komponierten Musiken und Bearbeitungen von Musiken des 17. Jahrhunderts greift „Ein Metjen nahmens Preetzen“ auf eine bizarre Musik-Trouvaille Kiels zurück – ein Fundstück, das 350 Jahre lang weitgehend vergessen war. Erstaunlich angesichts der raren Momente, in denen eigens für Kiel eine Musik komponiert wurde. In den vergangenen 50.000 Jahren dürfte es davon nicht viele gegeben haben. Es handelt sich um die sogenannten „Odae Concertantes“.

Umzug der Musikanten zur Inauguratio der Christian-Albrechts-Universität 1665. Stich evtl. von Hans Strauß. In: Alexandro Julio Torquato Frangipani: Inaugurationis Academiae Kiloniae, 1666. © Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel.


Odae Concertantes. Musik: Augustin Pfleger. Text: Peter Musäus.
Notenblatt einer Hymne auf Kaiser Ferdinand. In: Alexandro Julio
Torquato Frangipani: Inaugurationis Academiae Kiloniae, 1666.
© Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel.

Die „Odae Concertantes“ entstanden 1665 anlässlich der Einweihung der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Der am Herzogssitz in Schleswig dienende Hofkomponist Augustin Pfleger wurde mit der Komposition beauftragt. Es handelt sich um Hymnen, Lobgesänge, also musikalische Huldigungen jener Personen, denen die Universität ihre Existenz zu verdanken hat: Herzog Christian Albrecht, sein verstorbener Vater Herzog Friedrich III., Kaiser Leopold I. Die (lateinischen) Texte der Lobeshymnen dichtete der designierte erste Prorektor (der Titel des Rektors war dem Herzog vorbehalten) der Universität, Professor Peter Musäus.

Diese barocken, ganz der Würde der Festlichkeit verpflichteten Musiken sind in Kiel zu den Einweihungsfeierlichkeiten in der ersten Oktoberwoche 1665 (ur-) aufgeführt worden. Seither allerdings kaum noch – wenn überhaupt. Die Noten finden sich indes in der Schrift, die den Gründungsakt ausführlich dokumentiert bzw. verherrlicht („Christiano Albertinae Inauguratio o.O. 1666“), verfasst von Oberst und Baron Alexander Julius Torquatus a Frangipani, der am Gottorfischen Hof beschäftigt war und als Augenzeuge den Feierlichkeiten beiwohnte.

Die barocken Noten – sowohl Schlüssel als auch Notensetzung – der „Odae Concertantes“ sind für die meisten heutigen Musiker unlesbar. Anders als im Barock, verwendet man heute nur noch Violin-, Bass- und gelegentlich auch noch den Bratschen- oder Tenorschlüssel. Sie wurden daher transskribiert, ebenso wie die zeitgenössisch üblichen zahlreichen Abbreviaturen und die Generalbass-Notation.

Bei solcher Transskription und nachfolgender synthesizender Vertonung mit einem Notensatz- und Musikprogramm enthüllte sich ein barockes musikalisches Kleinod, das in all seiner damaligen Konventionalität einen norddeutschen Kleinmeister zeigt, der sein Handwerk verstand. Die „Odae Concertantes“ sind ein übersehenes Dokument barocker Gebrauchsmusik.

Augustinus Pfleger: „Odae concertantes“ (1665)
(transskribiert von Jörg Meyer)

Jörg Meyers Soundtrack für „Ein Metjen nahmens Preetzen”

„Preetzen’s Theme 1“:

 

„Preetzen’s Theme 2“:

 

„auff dem düstern bergk“

 

„windiges metjen“

 

„schüchternes metjen“

 

„agnus dei“

 

„fuga in c“

 

„testostereo (Preetzen’s Theme 3)“