{"id":252,"date":"2014-06-16T02:01:16","date_gmt":"2014-06-16T00:01:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.einmetjennahmenspreetzen.de\/wordpress\/?page_id=252"},"modified":"2014-07-09T02:40:32","modified_gmt":"2014-07-09T00:40:32","slug":"christian-albrechts-universitaet","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/www.einmetjennahmenspreetzen.de\/wordpress\/christian-albrechts-universitaet\/","title":{"rendered":"Christian-Albrechts-Universit\u00e4t"},"content":{"rendered":"<div style=\"text-align: justify;\">\nIm Jahr 2015 feiert die Christian-Albrechts-Universit\u00e4t zu <a href=\"http:\/\/www.einmetjennahmenspreetzen.de\/wordpress\/kiel-im-jahr-1676\/\">Kiel<\/a> ihr 350. Jubil\u00e4um. Dass die Universit\u00e4t auch bei Hexenprozessen ein Wort mitzureden hatte, beschreibt Eugen Wohlhaupter in seiner Schrift \u201eDie Sprucht\u00e4tigkeit der Kieler juristischen Fakult\u00e4t von 1665-1879\u201c. Die Spruchakten setzen erst 1683 ein, doch wurde die juristische Fakult\u00e4t schon fr\u00fcher hinzugezogen, um Gutachten abzugeben. Die Empfehlungen galten als verbindlich.<\/p>\n<div style=\"float: left; margin-right: 30px; text-align: center;\">\n<img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.einmetjennahmenspreetzen.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/04_hist_27_uni-kiel-hk00217.jpg\" width=\"500\" height=\"500\"><br \/>\n<em>Siegel auf der Schatulle der Gr\u00fcndungsurkunde der Universit\u00e4t Kiel.<br \/>\nBildnr. HK00217. Foto &#038; \u00a9: Uni Kiel.<\/em>\n<\/div>\n<p>Die Universit\u00e4t ist in ihren fr\u00fchen Jahren in den R\u00e4umen des verwaisten Franziskanerklosters untergebracht. Das Gel\u00e4nde erstreckt sich zwischen Klosterkirche (heute Theologisches Studienhaus Kieler Kloster) und Kleinem Kiel auf einem Gel\u00e4nde mit langgestreckten Bauten, Refektorium, Brunnen und Gartengel\u00e4nde. Nach Reformation und Aufl\u00f6sung des Franziskanerordens wurden einige Geb\u00e4ude zwischenzeitlich als Stallungen genutzt &#8211; zum olfaktorischen Leide der ersten Professoren.<\/p>\n<p>Die Kieler Akademie ist eine aufstrebende Landesuniversit\u00e4t, jung und fortschrittlich. Erst elf Jahre zuvor, 1665, erfolgte die feierliche und <a href=\"http:\/\/www.einmetjennahmenspreetzen.de\/wordpress\/musik\/\">musikalische<\/a> \u201eInauguratio\u201c \u2013 das wahrscheinlich prunkvollste Ereignis Kiels im 17. Jahrhundert. Die Akademie tr\u00e4gt den Namen ihres Stifters und Landesherrn, des Herzogs Christian-Albrecht, obwohl er alles andere als eine Geistesgr\u00f6\u00dfe ist und lediglich die fertigen Pl\u00e4ne seines verstorbenen Vaters Herzog Friedrich III. ausf\u00fchrt. Die junge Akademie ist stolz und genie\u00dft \u2013 nicht nur hinsichtlich Steuern und Bezug von Bier \u2013 eine Sonderstellung in der Stadt. Die Professoren sind auf ihren Ruf bedacht, nicht zuletzt bei festlichen Prozessionen, in denen sich am Prozessionszug die soziale Rangfolge wiederspiegelt.<\/p>\n<p>Die Professoren m\u00fcssen zu Rechtsgutachten in Strafsachen bzw. F\u00e4llen von Hexerei nicht gen\u00f6tigt werden. Sie bessern damit das eigene Gehalt auf. Beteiligt sind Juristen wie Erich Mauritius (Moritz), Samuel Rachel(ius), Simon Heinrich Sannemann und Heinrich Michaelis. In den juristischen Gutachten in Straf- bzw. Hexenprozessen achten die Professoren insbesondere auf Akkuratesse bei der Anwendung der Strafprozessordnung. Sie erhob beispielsweise 1668 im Prozess gegen <a href=\"http:\/\/www.einmetjennahmenspreetzen.de\/wordpress\/teke-busch\/\">Teke Busch<\/a> Einspruch gegen die Verwendung der im Beichtgeheimnis gesch\u00fctzten Aussagen der Beklagten und n\u00f6tigte das Gericht, den Prozess neu aufzurollen (freilich mit dem gleichen Ergebnis: Verbrennung). Die Professoren achten auch auf ordnungsgem\u00e4\u00dfe, also rechtskonforme Anwendung der <a href=\"http:\/\/www.einmetjennahmenspreetzen.de\/wordpress\/folter\/\">Folter<\/a> und konkreten Vorschl\u00e4gen zur Durchf\u00fchrung der Hinrichtung bzw. <a href=\"http:\/\/www.einmetjennahmenspreetzen.de\/wordpress\/verbrennung\/\">Verbrennung<\/a>. Insgesamt hat das Kieler Spruchkollegium m\u00e4\u00dfigenden Einfluss und r\u00e4t zu milderen T\u00f6tungsformen. Die Existenz von Hexen bezweifelt die Akademie zu dieser Zeit grunds\u00e4tzlich nicht.<\/p>\n<p>Namentlich Erich Mauritius hat zahlreiche Gutachten hinterlassen. In Kiel wirkte er 1665-1671. In einem Segeberger Hexenfall von 1668, bei der auch ein 14-j\u00e4hriges M\u00e4dchen in Verdacht geriet, Sch\u00fclerin der hexerischen Mutter zu sein, empfahl Mauritius, das M\u00e4dchen ohne sonderliches Urteil mit seiner Mutter auf die Richtstatt zu f\u00fchren. Nachdem es seine Mutter habe hinrichten und verbrennen sehen, m\u00f6ge es gez\u00fcchtigt und in die Obhut eines Geistlichen gegeben werden. Der Film spekuliert, dass mit <a href=\"http:\/\/www.einmetjennahmenspreetzen.de\/wordpress\/anje-preetzen\/\">Anje Preetzen<\/a> \u00e4hnlich verfahren wurde. <\/p>\n<p>Insofern w\u00e4re es t\u00f6richt, bei einer Aufarbeitung des Hexenfalles von 1676 die Universit\u00e4t nur deshalb aus dem Spiel zu lassen, weil sie in den Quellen zu diesem Fall nicht auftaucht. Die Kieler Geisteselite steht innerhalb Kiels nicht abseits im Elfenbeinturm. Schnell werden eheliche Bande mit der Kieler Geistlichkeit und Obrigkeit gekn\u00fcpft. Wer sich in Kiel einen Namen machen will, studiert hier, zum Beispiel auch Kiels ber\u00fchmtester B\u00fcrgermeister Asmus Bremer. 1676 hat er gerade sein Jura-Studium abgeschlossen.<\/p>\n<p>In diesem Zusammenhang lohnt ein Blick in die Vorlesungsverzeichnisse und Schriften. Professor Heinrich Michaelis, inzwischen aus Kiel verzogen, l\u00e4sst 1676 in L\u00fcbeck das juristische Traktat \u201eDe Inquisitione Criminum\u201c drucken. Professor Samuel Rachel h\u00e4lt im Sommersemester 1675 eine Vorlesung \u00fcber Inquisitions- und Anklageprozess. Ein Jahr zuvor hielt Professor Magnus Wedderkopp (freilich in Latein, aber das wurde vorausgesetzt) eine Vorlesung \u00fcber Vernehmung und <a href=\"http:\/\/www.einmetjennahmenspreetzen.de\/wordpress\/folter\/\"><\/a>Tortur.<\/p>\n<p>Die Kieler Universit\u00e4t versteht sich als das strahlende geistige Zentrum des Landes. Sie ermisst den Wissens- und Wahrnehmungshorizont der Zeit. Hier l\u00e4sst sich nachvollziehen, wohin die Blicke dr\u00e4ngen: in die Leiber der Toten im Seziersaal, durch das Mikroskop auf bisher den Blicken entzogenen Kleinstlebewesen. Das Dunkel wird erhellt, aber das Licht ist oft recht grell: Wer sich an die Existenz von D\u00e4monen gew\u00f6hnt hat, mag geneigt sein, unter dem Mikroskop endlich zu ersp\u00e4hen, was er so lange suchte.<\/p>\n<p>Die akademische Arbeit verrichtet ein experimentierfreudiger Lehrk\u00f6rper, der an seinem Glauben an die Allgemeing\u00fcltigkeit der Bibel nicht r\u00fctteln mag und dennoch neugierig ist auf alles Fremde und Entfernte. Noch relativ bieder sind die Ergebnisse Professor Wasmuths, der aus der Bibel das Datum der Sintflut und den Zeitpunkt der Erschaffung der Welt errechnet. Aber nichts ist abseitig genug. Die \u201eVerwandlung der Frau des Lot zur Salzs\u00e4ule\u201c lautet eine physikalische Untersuchung des Naturwissenschaftlers Caeso Gramm. Kollege Joh. Ludwig Hannemann sieht in den Planeten Mars, Venus und Merkur Werkzeuge des Weltgeists. Daniel Georg Morhof, der weitger\u00fchmte Polyhistor, erwirbt Ruhm mit seiner Schrift \u00fcber das Zersingen von Gl\u00e4sern (1673). Der Mediziner G\u00fcnter Christoph Schelhammer kennt bereits Mikroskope, glaubt zugleich fest an das Wirken von D\u00e4monen \u2013 1676 ist er allerdings noch nicht in Kiel, sondern befindet sich auf Studienreisen in Italien.<br \/>\nZwei der schillerndsten Professoren l\u00e4sst der Film selbst zu Wort kommen. Es handelt sich um <a href=\"http:\/\/www.einmetjennahmenspreetzen.de\/wordpress\/professor-samuel-reyher\/\">Samuel Reyher<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.einmetjennahmenspreetzen.de\/wordpress\/professor-johann-daniel-major\/\">Johann Daniel Major<\/a>. Ihnen sind eigene Kapitel gewidmet.<\/p>\n<p>Literatur: Carl Rodenberg, Volquart Pauls: Die Anf\u00e4nge der Christian-Albrechts-Universit\u00e4t Kiel. Neum\u00fcnster 1955.\n<\/p><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Jahr 2015 feiert die Christian-Albrechts-Universit\u00e4t zu Kiel ihr 350. Jubil\u00e4um. Dass die Universit\u00e4t auch bei Hexenprozessen ein Wort mitzureden hatte, beschreibt Eugen Wohlhaupter in seiner Schrift \u201eDie Sprucht\u00e4tigkeit der Kieler juristischen Fakult\u00e4t von 1665-1879\u201c. Die Spruchakten setzen erst 1683 ein, doch wurde die juristische Fakult\u00e4t schon fr\u00fcher hinzugezogen, um Gutachten abzugeben. 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