{"id":242,"date":"2014-06-16T01:43:56","date_gmt":"2014-06-15T23:43:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.einmetjennahmenspreetzen.de\/wordpress\/?page_id=242"},"modified":"2014-07-09T03:31:12","modified_gmt":"2014-07-09T01:31:12","slug":"hauptpastor-dr-friedrich-jessen","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/www.einmetjennahmenspreetzen.de\/wordpress\/hauptpastor-dr-friedrich-jessen\/","title":{"rendered":"Hauptpastor Dr. Friedrich Jessen"},"content":{"rendered":"<div style=\"text-align: justify;\">\nDr. Friedrich Jessen ist im Juni 1676 der rangh\u00f6chste Geistliche in <a href=\"http:\/\/www.einmetjennahmenspreetzen.de\/wordpress\/kiel-im-jahr-1676\/\">Kiel<\/a>. Er ist Hauptpastor. Dennoch tritt er in den Akten nicht in Erscheinung. Mag sein, dass es daran liegt, dass er zu dieser Zeit nicht mehr bei bester Gesundheit ist. Der 63-j\u00e4hrige Mann stirbt am 7.11.1677 \u2013 das Todesdatum \u201e1676\u201c auf dem Epitaph, das heute in der Nikolaikirche h\u00e4ngt, ist vermutlich irrig.<\/p>\n<div style=\"float: right; margin-left: 30px; text-align: center;\">\n<img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.einmetjennahmenspreetzen.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/04_hist_24_Hauptpastor-Friedrich-Jessen-Nikolaikirche.jpg\" width=\"400\" height=\"391\"><br \/>\n<em>Friedrich Jessen, Hauptpastor. Epitaph in der Kirche<br \/>\nSt. Nikolai Kiel. Foto: Koll 2013.<\/em>\n<\/div>\n<p>Jessen hat Vertreter vor Ort. Im geistlichen Rang folgen (der leider gesundheitlich nicht minder angeschlagene) <a href=\"http:\/\/www.einmetjennahmenspreetzen.de\/wordpress\/archidiacon-ma\u2026thias-burchard\/\">Archidiacon Mag. Matthias Burchard<\/a>, dessen Schwiegersohn <a href=\"http:\/\/www.einmetjennahmenspreetzen.de\/wordpress\/diacon-mag-gabriel-wedderkopp\/\">Diacon Mag. Gabriel Wedderkopp<\/a> und Klosterpastor Mag. Martin B\u00fctzer.<\/p>\n<p>Auch ohne Akteneintrag ist Dr. Jessen eine Pers\u00f6nlichkeit, dessen Meinung in einem Hexendelikt in Kiel nicht ignoriert werden kann \u2013 die Justiz ber\u00fchrt hier ja unmittelbar theologische Fragen, geht es doch wesentlich um den Abfall von Gott. Wie mag sich Jessen ge\u00e4u\u00dfert haben? Mahnend zu Milde oder zu Strenge? F\u00fcr beides gibt es Indizien.<\/p>\n<p>Einen Hinweis liefert ein Kieler Vorfall aus dem Jahr 1666, in dem Jessen um ein Gutachten gebeten worden war. Es drehte sich um Marie Beegman\u00df, die Tochter der Apfelh\u00e4ndlerin Abell Beegman\u00df. Marie tobte und verdrehte die Augen, und die Mutter war gewiss, der Satan habe Besitz von dem M\u00e4dchen ergriffen. Sie beschuldigte ihre Umgebung der Hexerei. Jessen konnte damals nichts dergleichen feststellen. So wies man die Panikmache der Mutter streng zur\u00fcck. Jessen erwies sich als Mann der Vernunft.<\/p>\n<p>Der Geistliche Jessen wird in reifen Jahren ein Mann der Wissenschaft. Beides schlie\u00dft einander nicht aus, im Gegenteil. Als 1665 in Kiel die <a href=\"http:\/\/www.einmetjennahmenspreetzen.de\/wordpress\/christian-albrechts-universitaet\/\">Universit\u00e4t<\/a> gegr\u00fcndet wird, h\u00e4lt er nicht nur eine ausf\u00fchrliche Predigt (\u201eLob-, Dank- und Denkpredigt\u201c), sondern schreibt sich auch als Student ein \u2013 da ist er bereits 52 Jahre alt. Acht Jahre sp\u00e4ter erwirbt er die Doktorw\u00fcrde.<br \/>\nDoch Jessen ist zugleich ein streitbarer, orthodoxer Protestant, der gegen Abweichler, namentlich gegen die reformgl\u00e4ubige Sekte der David-Joriten wettert und die Streitschrift \u201eAuffgedeckte Larve Davidis Georgii\u201c (1670) publiziert. In Jessen sehen wir einen Mann, der Wissenschaft als Gottesdienst betreibt. Das eine steht im Dienst des anderen.<\/p>\n<p>Auch privat f\u00e4delt Jessen Verbindungen von Geistlichkeit und Wissenschaft ein. Seine \u00e4lteste Tochter, Dorothe Christin, gibt er dem Kieler Medizinprofessor Professor Caeso Gramm zur Ehefrau. 1676 ist sie bereits seit drei Jahren Witwe.<\/p>\n<p>1676 ist Jessen bereits 25 Jahre in Amt und W\u00fcrden: eine Pers\u00f6nlichkeit im Ort. Der 1613 in Husum geborene Jessen ist zum zweiten Mal verheiratet. Seine erste Frau, Tochter des streng orthodoxen Eiderstedter Propstes Johannes Moldenit, gebar (ihm) zwei S\u00f6hne (fr\u00fch verstorben) und drei T\u00f6chter. Sie selbst starb fr\u00fch. 1655 heiratete Witwer Jessen die Witwe des Propstes zu Itzehoe.<\/p>\n<p>Zitate der Predigt Friedrich Jessens zur Einweihung der Universit\u00e4t 1665:<br \/>\n\u201eDer Teufel ist den hohen Schulen feind, als der wohl wei\u00df, wie sehr nachtheilig sie seinem Reich seien.\u201c<br \/>\n\u201eDie ihr Gewissen nicht in acht nehmen, verlieren allgem\u00e4hchlich den rechten wahren Verstand.\u201c<br \/>\n\u201eWie die Weine, so in die von Eibenbaum gemachte Gef\u00e4\u00dfe getan werden, sollen t\u00f6dliche Art an sich haben: Also die Gelehrtheit, die in einem gottlosen Menschen sitzt, wird sch\u00e4dlich.\u201c<br \/>\n\u201eSo aber jemand anders lehret und widerspricht, so soll man wissen sie zu strafen und ihnen das Maul zu stopfen.\u201c<br \/>\n\u201eEs fehlet unser Stadt ja schier nichts, was zur Gl\u00fcckseligkeit einer Stadt geh\u00f6ren mag. Gott hat uns gesegnet mit Segen vom Himmel herab, mit Segen von der Tiefe, die darunter lieget, mit Segen an Br\u00fcsten und B\u00e4uchen.\u201c<br \/>\n\u201eDie Studenten und ihr Leben betreffend, da m\u00fcssen wir ja leider bekennen: dass es unter denselben nicht schnurrecht zugehe. \u2026 [Doch] die meisten sind f\u00fcrnehme oder sonsten frommer Leute wolgeartete Kinder.\u201c\n<\/p><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dr. Friedrich Jessen ist im Juni 1676 der rangh\u00f6chste Geistliche in Kiel. Er ist Hauptpastor. Dennoch tritt er in den Akten nicht in Erscheinung. Mag sein, dass es daran liegt, dass er zu dieser Zeit nicht mehr bei bester Gesundheit ist. 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