{"id":229,"date":"2014-06-16T01:32:52","date_gmt":"2014-06-15T23:32:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.einmetjennahmenspreetzen.de\/wordpress\/?page_id=229"},"modified":"2014-07-09T02:37:33","modified_gmt":"2014-07-09T00:37:33","slug":"buettelei","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/www.einmetjennahmenspreetzen.de\/wordpress\/buettelei\/","title":{"rendered":"B\u00fcttelei"},"content":{"rendered":"<div style=\"text-align: justify;\">\nDie sogenannte B\u00fcttelei befindet sich am Ortsrand <a href=\"http:\/\/www.einmetjennahmenspreetzen.de\/wordpress\/kiel-im-jahr-1676\/\">Kiels<\/a> im sogenannten Hassturm am Kleinen Kiel (heute: Ecke Ha\u00dfstra\u00dfe\/Jensendamm; der Name \u201eHa\u00dfstra\u00dfe\u201c r\u00fchrt vom alten Wort f\u00fcr \u201eHirsch\u201c her). Dieser Turm birgt das zweite Gef\u00e4ngnis in <a href=\"http:\/\/http:\/\/www.einmetjennahmenspreetzen.de\/wordpress\/kiel-im-jahr-1676\/\">Kiel<\/a>. Es ist st\u00e4rker gesichert als die <a href=\"http:\/\/http:\/\/www.einmetjennahmenspreetzen.de\/wordpress\/veste\/\">Veste<\/a>. Im oberen Stockwerk der B\u00fcttelei werden Schwerverbrecher verwahrt. Im Jahr 1676 sind das unter anderem <a href=\"http:\/\/www.einmetjennahmenspreetzen.de\/wordpress\/trinke-preetzen\/\">Trinke Preetzens<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.einmetjennahmenspreetzen.de\/wordpress\/hinrich-busch\/\">Hinrich Busch<\/a>, denn Hexerei z\u00e4hlt zu den schwersten Verbrechen, schwerer als Mord. Zur Verf\u00fcgung stehen zahlreiche Gef\u00e4ngnisse auf verschiedenen Etagen. Einer der R\u00e4ume im Erdgeschoss ist als Folterkammer ausgestattet. Im Grundriss ist eine Herdstelle verzeichnet, ebenso ein Pfahl mit Kette und Krampe.<\/p>\n<p>In der B\u00fcttelei wohnt der sogenannte B\u00fcttel, auch genannt Frohn (1676 ist das <a href=\"http:\/\/www.einmetjennahmenspreetzen.de\/wordpress\/paul-moeller-und-sein-stiefsohn-christian-albrecht-pickel\/\">Paul M\u00f6ller<\/a>). Er wohnt mit seiner Familie im Erdgeschoss in einem Wohntrakt, dessen R\u00e4ume sich wie ein Mantel rund um den Gef\u00e4ngnisturm legen. Das Grundst\u00fcck verf\u00fcgt au\u00dferdem \u00fcber einen Garten.<\/p>\n<div style=\"float: right; margin-left: 30px; text-align: center;\">\n<img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.einmetjennahmenspreetzen.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/04_hist_20_B\u00fcttelei-Hassturm-Wendrich.jpg\" width=\"400\" height=\"578\"><br \/>\n<em>B\u00fcttelei 1855. Grundriss. Aus: Walter Wendrich:<br \/>\nDie alte Kieler Stadtmauer. Mitteilungen der<br \/>\nGesellschaft f\u00fcr Kieler Stadtgeschichte Nr. 47, Kiel 1955.<\/em>\n<\/div>\n<p>Eine pr\u00e4zise \u2013 und eindringliche \u2013 Beschreibung des Geb\u00e4udes und seiner Zellen liefert Augenzeuge Walter Wendrich nach einer Begehung kurz vor dem Abriss 1855:<br \/>\n\u201eEine Reihe kleinerer Gem\u00e4cher laufen ringsherum und schauen mit ihren niedrigen Fenstern theils die Ha\u00dfstra\u00dfe hinauf, teils auf den kleinen Kiel. Dies war die Wohnung des fr\u00fcheren Scharfrichters; sie bildet gewisserma\u00dfen den Mantel um die Hauptsache, n\u00e4mlich um den alten Turm, das eigentliche Gef\u00e4ngnis. (&#8230;) Eine schwere eisenbeschlagene T\u00fcr von Eichenbohlen f\u00fchrt gleich links in das Hauptgew\u00f6lbe, durch eine Brandmauer von 5 Fu\u00df Dicke. Kein Fenster, nicht das geringste Luftloch nach au\u00dfen l\u00e4sst auch nur einen Strahl des Lichts zu; nur durch das sehr kleine Eisengitter in besagter Eichent\u00fcr ist eine Idee von Luftzug nach der dunklen Diele hin m\u00f6glich. Schwarz und feucht ringsumher alles. In der Mitte des Gemachs steht ein starker Eichenpfahl vom Fu\u00dfboden bis zur Decke hinauf. In demselben h\u00e4ngt der Rest einer Kette, deren einzelne Gelenke wohl \u00fcber ein Pfund schwer wiegen m\u00f6gen, stark genug, einen Elefanten zu fesseln. Eine gro\u00dfe eiserne Krampe, welche in einer H\u00f6he von ungef\u00e4hr 7 bis 8 Fu\u00df angebracht ist, zeigt deutlich die fr\u00fchere Bestimmung dieses schrecklichen Pfahls.<br \/>\nEs ist n\u00e4mlich dieser Pfahl, an welchen noch im Anfange dieses Jahrhunderts diejenigen Verbrecher, welche die entehrende Strafe des Staupbesens und des Brandmarkens durch Henkers Hand erleiden sollten, an H\u00e4nden und F\u00fc\u00dfen festgekettet wurden. Kaum drei Schritte davon befindet sich noch der Herd, auf welchem man das gr\u00e4ssliche Eisen gl\u00fchend machte, um es seinem verirrten Mitbruder christlich-milde auf Stirn oder Nacken einzubrennen und dadurch das Ebenbild Gottes tief, tief unter das Thier herabzuw\u00fcrdigen. In noch fr\u00fcherer Zeit war hier die sogenannte Marterkammer. (&#8230;)<br \/>\nEine kleine Treppe aufw\u00e4rts f\u00fchrt in die Region des ersten Stocks. (&#8230;) Hier treten wir in ein Gef\u00e4ngnis, welches f\u00fcr leichtere Verbrecher oder f\u00fcr in Untersuchungshaft Befindliche scheint bestimmt gewesen zu sein. Der Rest einer schweren Eisenkette in der Mitte dieses K\u00e4figs befestigt, zeigt, dass auch hier eben keine milde Hand des Gesetzes waltete. Ein kleines Fenster wirft durch die 5 Fu\u00df dicke Brandmauer ein k\u00fcmmerliches Licht in die Zelle und zeigt uns die in die Mauer eingegrabenen Namen einiger der ehemaligen ungl\u00fccklichen Bewohner derselben. (&#8230;)  Steigen wir jetzt noch eine Treppe hinan, so gelangen wir auf einen kleinen dunklen Vorplatz. Nur mit M\u00fche finden wir durch H\u00fclfe unseres Lichts hier eine dicke, mit Eisen beschlagene T\u00fcr, die etwa 4 Fu\u00df hoch und 1,5 Fu\u00df breit ist und in die dritte Zelle &#8211; das schauerlichste aller Gef\u00e4ngnisse \u2013 f\u00fchrt. Ein Loch von kaum 6 Fu\u00df H\u00f6he, Breite und Tiefe, dem der Zugang der Luft und des Lichts total abgeschnitten ist, starrt uns unheimlich entgegen. Hat man sich mit M\u00fche durch den engen Eingang hindurch gezw\u00e4ngt, tritt man sogleich auf das verfaulte Stroh, worauf wohl der letzte Ungl\u00fcckliche gelegen hat, bis er dem Beile des Nachrichters \u00fcbergeben wurde. Au\u00dferdem findet man noch einige vermoderte Bretter, die ihm als Pritsche dienten, mehrere Tonscherben und die Reste schwerer Ketten. Das Atmen wird uns nach einigen Minuten schon schwer und selbst das Talglicht in unserer Hand ist vor Dunst dem Erl\u00f6schen nahe.\u201c<br \/>\nQuelle: Walter Wendrich, Die alte Kieler Stadtmauer. Mitteilungen der Gesellschaft f\u00fcr Kieler Stadtgeschichte Nr. 47, Kiel 1955.<\/p>\n<p>Nachbemerkung: Die Grundrisse der B\u00fcttelei bei Wendrich sind nicht in allen Details identisch mit den Pl\u00e4nen, die das Landesamt f\u00fcr Denkmalpflege verwahrt.\n<\/p><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die sogenannte B\u00fcttelei befindet sich am Ortsrand Kiels im sogenannten Hassturm am Kleinen Kiel (heute: Ecke Ha\u00dfstra\u00dfe\/Jensendamm; der Name \u201eHa\u00dfstra\u00dfe\u201c r\u00fchrt vom alten Wort f\u00fcr \u201eHirsch\u201c her). Dieser Turm birgt das zweite Gef\u00e4ngnis in Kiel. Es ist st\u00e4rker gesichert als die Veste. Im oberen Stockwerk der B\u00fcttelei werden Schwerverbrecher verwahrt. 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