{"id":220,"date":"2014-06-16T01:25:02","date_gmt":"2014-06-15T23:25:02","guid":{"rendered":"http:\/\/www.einmetjennahmenspreetzen.de\/wordpress\/?page_id=220"},"modified":"2014-07-09T03:05:39","modified_gmt":"2014-07-09T01:05:39","slug":"leumund","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/www.einmetjennahmenspreetzen.de\/wordpress\/leumund\/","title":{"rendered":"Der Leumund"},"content":{"rendered":"<div style=\"text-align: justify;\">\nIm Todesurteil gegen <a href=\"http:\/\/www.einmetjennahmenspreetzen.de\/wordpress\/teke-busch\/\">Teke Busch<\/a> von 1668 stolpert der Aktenleser \u00fcber eine bezeichnende Stelle: Der Rat berufe sich \u201eauff vorgehende vielj\u00e4hrige Ber\u00fcchtigung\u201c. Ber\u00fcchtigungen, das sind Ger\u00fcchte und Berichte, die sich \u00fcber lange Jahre hielten. Bezeichnet ist damit der Leumund einer Person, ihr guter bzw. schlechter Ruf. Er eilt der\/dem Beklagten \u2013 und dem Verfahren gegen sie \u2013 voraus. Diesen Leumund bezeugen nicht die Gerichtsherren, sondern die Nachbarn. Bei ihnen werden Erkundigungen eingezogen: Auch das Urteil spricht von \u201everanla\u00dfeter summarischer Erk\u00fcndigung\u201c. Die Nachbarn und das \u201eeinfache Volk\u201c spielen in den Hexenprozessen eine gewichtige \u2013 oft genug eine treibende \u2013 Rolle.Auch im Urteil gegen <a href=\"http:\/\/www.einmetjennahmenspreetzen.de\/wordpress\/hinrich-busch\/\">Hinrich Busch<\/a> beruft sich das Gericht \u201eauff vorgehende vielj\u00e4hrige Ber\u00fcchtigung\u201c.Die Nachbarn, bei denen Erkundigungen einzogen wurden, sind in den Akten nicht namentlich aufgef\u00fchrt \u2013 vielleicht, um einer Ausweitung des Prozesses vorzubeugen? Im Fall gegen Teke Busch wird immerhin eine gewisse Marine Frese erw\u00e4hnt, deren f\u00fcnfj\u00e4hriger Sohn in den Bann der \u201everruchten\u201c Teke geraten sein soll. Das Drehbuch zu \u201eEin Metjen nahmens Preetzen\u201c hat sich diese Marine Frese gewisserma\u00dfen \u201eausgeliehen\u201c und sie mit fiktiven Freundinnen flankiert, um die Rolle der Nachbarn und des Leumunds im Hexenprozess zu beleuchten.<\/p>\n<h3>Ausschnitt aus dem Urteil des Kieler Gerichts gegen Teke Busch (1668)<\/h3>\n<div style=\"float: left; margin-right: 30px; text-align: center;\">\n<img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.einmetjennahmenspreetzen.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/04_hist_16_p-358-Dorothea-Busch-Urteil.jpg\" width=\"550\" height=\"387\"><br \/>\n<em>Obergerichtsprotokoll der Stadt Kiel Nr. 6, 1666-1673 p. 358, not. chart. coaev.<br \/>\n\u00a9 Stadtarchiv Kiel.<\/em>\n<\/div>\n<p>Sententia.<\/p>\n<p>Ist publicirt den 13. Mart hora 12. meridiana in der Wage bey gehegten peinlichen Halsgericht.<\/p>\n<p>In peinlichen Inquisitionsachen hiesigen Gerichts, ex officio Inquireten an einen, entgegen undt wieder Dorotheen Buschen, sonsten Westphalen genandt, Inquisitin andern theil\u00df, in puncto bez\u00fcchtigter undt zugestandener Zeuberey.\u00a0Erkennen B\u00fcrgermeistere undt Rath der Stadt Kiehl auff vorgehende vielj\u00e4hrige Ber\u00fcchtigung, daruff beschehene Denunciation undt ferners angestalten f\u00f6rmlichen Inquisition hiemit vor Recht: Demnach gedachte inquisitin Dorothea Buschen nicht allein bey veranla\u00dfeter summarischen Erk\u00fcndigung, sondern auch nachgehendes vorgenommenen, absonderlichen, rechtlichen Examination undt vorgehaltene Fragst\u00fccke freywillig zugestanden, da\u00df sie (&#8230;) Jochim undt Marinen Fresen f\u00fcnffj\u00e4hrigen Sohn, damit sie denselben zur Zeuberey so viel leichter bringen m\u00f6chte, vom Gebeth des christlichen Glaubens undt heyligen Vatterunsers embsich abgemahnet (&#8230;).\n<\/p><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Todesurteil gegen Teke Busch von 1668 stolpert der Aktenleser \u00fcber eine bezeichnende Stelle: Der Rat berufe sich \u201eauff vorgehende vielj\u00e4hrige Ber\u00fcchtigung\u201c. Ber\u00fcchtigungen, das sind Ger\u00fcchte und Berichte, die sich \u00fcber lange Jahre hielten. Bezeichnet ist damit der Leumund einer Person, ihr guter bzw. schlechter Ruf. 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